Die Werkstore stehen noch offen – aber die Zukunft bleibt draußen
Sachsens Industrie baut nicht nur Arbeitsplätze ab. Sie verliert ihr Vertrauen in den Standort. Darauf weist die FDP Sachsen nach der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung und den jüngsten Beschäftigungszahlen der Bundesagentur für Arbeit hin. Danach gingen im Verarbeitenden Gewerbe binnen eines Jahres fast 10.000 Arbeitsplätze verloren. Besonders betroffen war die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie.
Noch alarmierender sei jedoch ein anderer Befund der Studie: Unternehmen bauen nicht in erster Linie Personal ab – sie stellen immer seltener neues ein.
„Eine Fabrik stirbt selten an einem Tag. Sie stirbt leise. Erst werden freie Stellen nicht mehr besetzt. Dann bleiben Investitionen aus. Irgendwann geht das Werkstor zu. Wer erst dann aufwacht, hat den Industriestandort längst verloren.“ Mit diesen Worten reagierte der Landesvorsitzende der FDP Sachsen, Matthias Schniebel, auf die Entwicklung.
Besonders hart trifft der Strukturwandel den Süden des Freistaates. Im Erzgebirgskreis sank die Zahl der Industriebeschäftigten zwischen 2019 und 2024 um 11,3 Prozent. Auch Chemnitz und der Vogtlandkreis verloren jeweils mehr als neun Prozent ihrer Industriearbeitsplätze. Gleichzeitig wächst die Industrie dort, wo Zukunftstechnologien wie die Halbleiterproduktion neue Investitionen anziehen.
Für die FDP ist das kein Zufall. Unternehmen investieren dort, wo Planungssicherheit herrscht. In Sachsen dagegen steigen Energiekosten, Genehmigungsverfahren dauern zu lange und die Bürokratie wächst weiter.
„Wenn Unternehmer lieber Stellen streichen als neue schaffen, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Arbeit verschwindet nicht, weil Unternehmer morgens schlechte Laune haben. Sie verschwindet, wenn Politik Investitionen immer teurer, langsamer und riskanter macht.“
Die FDP Sachsen fordert deshalb ein Sofortprogramm für den Industriestandort. Genehmigungsverfahren müssen verbindlich beschleunigt und innerhalb klarer Fristen abgeschlossen werden. Die Stromsteuer soll auf das europäische Mindestmaß sinken. Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten für Unternehmen gehören auf den Prüfstand. Außerdem fordert die FDP einen Infrastruktur-Turbo für Straßen, Schienen und Energieversorgung, damit Investitionen nicht länger an überlasteten Netzen und jahrelangen Planungsverfahren scheitern.
„Sachsen braucht keine weitere Industriestrategie auf Hochglanzpapier. Sachsen braucht wieder den Mut, Unternehmer arbeiten zu lassen. Jeder Industriearbeitsplatz, den wir heute verlieren, fehlt morgen dem Handwerker, dem Bäcker und dem Einzelhandel nebenan. Industrie ist nicht irgendeine Branche. Sie ist das Fundament unseres Wohlstands.“