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Brüssel darf Sachsens Landwirtschaft nicht nach Betriebsgröße bewerten

Gerade in Ostdeutschland sind größere Betriebsstrukturen historisch gewachsen. Sie sichern Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten, Wertschöpfung und Versorgung im ländlichen Raum. Wer das ignoriert, betreibt Agrarpolitik am Schreibtisch statt auf dem Feld.

Zu den Plänen der Europäischen Union, die Direktzahlungen der Agrarförderung künftig bei 100.000 Euro pro Betrieb zu begrenzen, erklärt der Landesvorsitzende der FDP Sachsen, Matthias Schniebel:

„Die Diskussion in Brüssel folgt einer einfachen Logik: Große Betriebe sollen weniger Geld bekommen, kleinere Betriebe mehr. Das mag in Teilen Europas funktionieren. Für Sachsen wäre es ein schwerer Fehler.

Nach Angaben des sächsischen Agrarministeriums wären von einer Kappung der Direktzahlungen etwa 1.400 der rund 6.500 Landwirtschaftsbetriebe im Freistaat betroffen. Genau diese Betriebe bewirtschaften jedoch rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, beschäftigen rund 80 Prozent der Arbeitnehmer und halten rund 90 Prozent der Milchkühe in Sachsen.

Wer diese Betriebe allein wegen ihrer Größe schlechterstellen will, trifft nicht irgendwelche anonymen Agrarkonzerne. Er trifft einen wesentlichen Teil der sächsischen Landwirtschaft.

Die eigentliche Frage lautet doch: Was soll gefördert werden? Die Größe eines Betriebes oder seine Leistung?

Ein Betrieb wird nicht weniger wichtig, weil er mehr Menschen beschäftigt. Er wird nicht weniger wertvoll, weil er mehr Fläche bewirtschaftet. Und er produziert nicht schlechtere Lebensmittel, weil er in Sachsen größer ist als ein Familienbetrieb in anderen Regionen Europas.

Gerade in Ostdeutschland sind größere Betriebsstrukturen historisch gewachsen. Sie sichern Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten, Wertschöpfung und Versorgung im ländlichen Raum. Wer das ignoriert, betreibt Agrarpolitik am Schreibtisch statt auf dem Feld.

Besonders kritisch ist die Debatte vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage vieler Betriebe. Sinkende Erzeugerpreise, hohe Energie- und Betriebskosten sowie zunehmende internationale Konkurrenz setzen die Landwirtschaft bereits heute unter Druck. Zusätzliche Kürzungen würden diese Entwicklung weiter verschärfen.

Die FDP Sachsen lehnt eine Agrarpolitik ab, die Betriebe nach ihrer Größe bewertet. Wenn die Europäische Union Landwirtschaft fördern will, dann muss sie sich an Leistung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit orientieren – nicht an ideologischen Vorstellungen darüber, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb auszusehen hat.

  • Am Ende interessiert die Menschen nicht die Hektarzahl eines Hofes. Sie interessiert, ob Lebensmittel bezahlbar bleiben, Arbeitsplätze erhalten werden und Landwirtschaft in Sachsen eine Zukunft hat.“