Berufsschulplanung ist Wirtschaftspolitik – nicht Schulverwaltung
Die Staatsregierung ordnet das sächsische Berufsschulnetz neu. Diskutiert wird vor allem über Standorte und Schulwege. Für die FDP Sachsen greift das zu kurz, denn die eigentliche Frage lautet: Wie sichert Sachsen in zehn oder fünfzehn Jahren seinen Fachkräftebedarf?
„Berufsschulplanung ist Wirtschaftspolitik“, sagt der Landesvorsitzende der FDP Sachsen, Matthias Schniebel. „Wer heute entscheidet, wo ausgebildet wird, entscheidet auch darüber, wo morgen Betriebe wachsen können. Genau dieser Zusammenhang fehlt in den Plänen der Staatsregierung.“
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den berufsbildenden Schulen ist zuletzt wieder auf rund 109.000 gestiegen. Gleichzeitig verändern sich die demografischen Rahmenbedingungen. Darauf muss eine Schulnetzplanung reagieren. Sie darf sich jedoch nicht allein an Schülerzahlen orientieren. Unternehmen suchen schon heute händeringend Fachkräfte und diese Herausforderung verschwindet nicht, nur weil weniger Kinder geboren werden.
„Natürlich kann nicht jeder Ausbildungsberuf an jedem Standort angeboten werden“, so Schniebel. „Aber wer Ausbildungsgänge zusammenlegt, muss erklären, wie die duale Ausbildung dadurch attraktiver wird. Wenn Auszubildende längere Wege haben, reicht es nicht, einfach den Stundenplan zu ändern. Dann braucht es eine leistungsfähige Mobilität, Wohnheime, Blockunterricht und dort, wo es sinnvoll ist, digitale Unterrichtsangebote. Sonst verlieren wir junge Menschen an andere Regionen oder gleich an andere Ausbildungswege.“
Besonders kritisch bewertet die FDP Sachsen, dass die Debatte derzeit fast ausschließlich unter schulorganisatorischen Gesichtspunkten geführt wird. Die wirtschaftlichen Folgen bleiben dagegen weitgehend außen vor.
„Wir diskutieren über Berufsschulen, als ginge es um einen Verwaltungsakt“, sagt Schniebel. „Tatsächlich geht es um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Sachsen. Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz verschärft den Fachkräftemangel. Deshalb muss sich jede Entscheidung am Ende an einer einfachen Frage messen lassen: Hilft sie unseren Betrieben dabei, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen oder macht sie genau das Gegenteil?“
Für die FDP Sachsen gehört zu einer modernen Berufsschulplanung deshalb mehr als die Neuordnung von Standorten. Sie muss Teil einer langfristigen Fachkräftestrategie sein, die Ausbildung, Erreichbarkeit, Lehrkräfte, Digitalisierung und die Bedürfnisse der sächsischen Wirtschaft gemeinsam in den Blick nimmt. Wer diese Zusammenhänge trennt, verwaltet Schulstandorte. Wer sie zusammendenkt, sichert Fachkräfte, Wertschöpfung und die wirtschaftliche Zukunft Sachsens.